Morbus Parkinson

Die Parkinson-Krankheit ist nach dem englischen Arzt Dr. James Parkinson benannt, der sie Anfang des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal beschrieben hat.

Es handelt sich um eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung, die bislang nicht heilbar ist. Es ist meist eine Erkrankung des höheren Alters; nur 10 % sind bei Diagnosestellung jünger als 40 Jahre; bei Personen über 60 Jahren sind etwa 1 % der Bevölkerung erkrankt.

Die typischen Symptome der Parkinson-Krankheit sind:

  • Bewegungsarmut (Akinese)
  • Muskelsteife (Rigor)
  • Zittern in Ruhe (Ruhetremor)
  • Haltungsinstabilität (Posturale Instabilität)

Diese Symptome sind auf Störungen der Basalganglien zurückzuführen. Diese tief im Gehirn liegenden Kernstrukturen bilden einen komplexen motorischen Schaltkreis. Eine dieser Substanzen ist die schwarze Substanz, die sogenannte Substantia nigra. Die Zellen in der Substantia nigra produzieren den Botenstoff Dopamin, welcher für die Kontrolle der normalen Muskelfunktion erforderlich ist.

Bei der Parkinson Erkrankung kommt es zu einem Abbau der Zellen in der Substantia nigra. Die Ursachen für diesen Abbau sind bisher nicht genau bekannt. Beim Abbau dieser Zellen wird immer weniger Dopamin freigesetzt. Durch die fehlenden Impulse des Botenstoffes Dopamin verändert sich die Nervenzellaktivität in allen nachgeschalteten Strukturen des Regelkreises. Auch andere Strukturen des motorischen Schaltkreises werden dadurch beeinträchtigt und beginnen, sich abnormal zu verhalten. Zwei durch den Dopamin-Mangel betroffene Hirnstrukturen sind der subthalamische Nucleus (STN) und der Globus pallidus (GP). Ohne normale Mengen an Dopamin entwickeln diese Kerne eine krankhafte "Bremswirkung" auf andere Gehirnregionen. Die Verarbeitung von Nervensignalen wird gehemmt und dadurch die Symptome der Parkinson Erkrankung ausgelöst.

Die Tiefe Hirnstimulation ist eine von mehreren Behandlungsmöglichkeiten für Parkinson-Kranke. Sie wird dann durchgeführt, wenn die medikamentöse Behandlung nicht oder nicht mehr ausreichend ist, denn typischerweise kommt es nach mehrjährigem Krankheitsverlauf zu Schwankungen (Fluktuationen) der Wirkung der Parkinson-Medikamente auf die Beweglichkeit und/oder zu unwillkürlichen Bewegungen als deren Nebenwirkung. Seit der Einführung in die klinischen Routine Ende der 1980-er Jahre sind bis heute weltweit etwa 35.000 Patienten mit diesem Therapieverfahren behandelt worden. Die Zahl der Zentren, in denen Patienten mit Hilfe der Tiefen Hirnstimulation behandelt werden, ist weltweit auf über 500 angewachsen.

Seit 2001 wurde in Deutschland die weltweit erste randomisierte und kontrollierte Studie zum Einsatz dieser Therapie beim fortgeschrittenen Parkinson-Syndrom von verschiedenen neurologisch-neurochirurgischen Zentren unter Leitung der Kieler Universitätsklinik durchgeführt. Die Ergebnisse lassen sich sehen:

Einerseits werden die motorischen Symptome der Erkrankung erheblich verbessert, andererseits werden die häufigsten Komplikationen der medikamentösen Therapie, nämlich Fluktuationen und Dyskinesien, nachhaltig verringert. Dadurch werden die Mobilität, das emotionales Wohlergehen und die körperlichen Beschwerden deutlich verbessert, so dass sich neue Möglichkeiten der Teilnahme an sozialen Aktivitäten erschließen und damit insgesamt eine deutliche Steigerung der Lebensqualität erfolgt. Im Vergleich zu medikamentös behandelten Patienten verbesserte sich die Lebensqualität der operierten Patienten durchschnittlich um 20%, die motorischen Fähigkeiten sogar um mehr als 40%.

Bisher ist für keine andere Parkinsontherapie eine so durchgreifende Verbesserung der Lebensqualität durch die lang anhaltende und deutliche Linderung der Symptome nachgewiesen worden.

Insbesondere folgende Vorteile bietet die Tiefe Hirnstimulation:

  • Unterdrückung der Parkinson-Symptome: Tremor, Akinese und Rigor
  • Verlängerung der Zeitspanne mit guter Beweglichkeit (ON-Zeit)
  • Verminderung der Levodopa-induzierten unkontrollierten Überbewegungen (Dyskinesien)
  • Verringerung der Zeitspanne mit schlechter Beweglichkeit (OFF-Zeit)
  • Verbesserung der Alltagsaktivitäten auch während der OFF-Zeiten
  • Verbesserung der Lebensqualität und neue Möglichkeiten der Teilnahme an sozialen Aktivitäten
  • Verringerung des Bedarfs an Anti-Parkinson-Medikamenten

Trotzdem ist diese Therapieform nicht für jeden Parkinson-Kranken geeignet; die Entscheidung, ob ein Parkinsonpatient für die Tiefe Hirnstimulation in Frage kommt, wird in einem sorgfältigen Untersuchungsprogramm von spezialisierten Fachärzten in einem der Implantationszentren getroffen.