Essentieller Tremor

Unter einem Tremor versteht man ein unwillkürliches Zittern, das verschiedene Muskelgruppen betreffen kann, einschließlich der Stimmbandmuskeln. Man unterteilt zunächst grob einen Ruhetremor (Tremor der bei willkürlich entspannter Muskulatur vorkommt) von einem Aktionstremor (Tremor der bei Bewegung, Halten, bestimmten Tätigkeiten oder Stellungen auftritt). "Essentiell" bedeutet hier, dass es für den Tremor keine andere Ursache gibt, wie z.B. eine andere Krankheit oder Medikamenteneinnahme. Die Ursache des essentiellen Tremors ist bisher nicht genau bekannt; bei etwa 60 % der Patienten sind weitere Familienmitglieder ebenfalls betroffen, 40 % sind sporadische Fälle, d.h., es finden sich in der Familie keine weiteren betroffenen Personen. Die Schädigung beim essentiellen Tremor liegt vor allem im Kleinhirn.

In der Regel handelt es sich beim essentiellen Tremor im Gegensatz zum typischen Ruhetremor bei Parkinson-Patienten überwiegend um einen Aktionstremor (Halte- und Bewegungstremor), der sich relativ symmetrisch über Jahre bis Jahrzehnte langsam fortschreitend entwickelt. Man sieht das Zittern oft besonders gut, wenn die Hände nach vorne ausgestreckt gehalten werden oder bei Aktionen, wie zum Beispiel das Führen eines Löffels oder einer Tasse zum Mund. In Ruhe ist das Zittern nur bei etwa 10 % der Patienten nachzuweisen.

Am häufigsten sind beide Hände betroffen, bei 10-15 % wird der Tremor zuerst in der dominierenden Hand beobachtet. Weiterhin können aber auch der Kopf, die Stimme und das Kinn betroffen sein. Unter Alkoholeinfluss bessert sich bei 2/3 der Patienten die Symptomatik deutlich. Das Zittern kann so stark ausgeprägt sein, dass beispielsweise ein Glas Wasser oder ein Löffel Suppe nicht mehr zum Mund geführt werden kann und das Trinken nur noch mit Strohhalm oder Schnabeltasse möglich ist. Auch feinmotorische Fertigkeiten wie Schreiben oder Hemden-Zuknöpfen können oft nicht mehr durchgeführt werden. Den Betroffenen ist oft unangenehm, dass der Tremor für Außenstehende sichtbar ist, daher kommt es oft zu einer Abnahme von sozialen Kontakten und Aktivitäten.

Der essentielle Tremor gehört zu den häufigsten Bewegungsstörungen. Die Häufigkeit in der Bevölkerung nimmt mit dem Alter zu (selten sind auch Kinder betroffen) und ist bei Männern und Frauen gleichermaßen vorhanden. In Deutschland sind etwa 0,5-4% der Menschen unter 65 Jahren und mindestens 5 % der über 65-jährigen betroffen.

Beim essentiellen Tremor handelt es sich überwiegend um eine klinische Diagnose, d.h., sie wird anhand der Krankengeschichte sowie des klinischen Untersuchungsbefundes gestellt. Bildgebende Verfahren wie beispielsweise eine MRT-Untersuchung des Kopfes oder nuklearmedizinische Untersuchungen sind in Einzelfällen differentialdiagnostisch hilfreich. Ebenso können oft mit diversen Blutuntersuchungen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. In einigen Fällen ist eine Tremorfrequenzanalyse sinnvoll.

Der essentielle Tremor sollte nur dann medikamentös behandelt werden, wenn der Patient Einschränkungen im Alltag verspürt. Wenn die aussichtsreichsten Medikamente ohne Erfolg eingesetzt worden sind und eine schwere Beeinträchtigung durch den Tremor im Alltag vorliegt, steht als Therapiemöglichkeit die Tiefe Hirnstimulation zur Verfügung. Hierdurch kann in der Regel eine bis zu 80%ige Besserung der Symptomatik erzielt werden und ermöglicht so den Patienten wieder ein "normales" Leben.

Grundsätzlich wird auch hier die Entscheidung, ob ein Tremor-Patient tatsächlich für die Tiefe Hirnstimulation in Frage kommt, in einem sorgfältigen Untersuchungsprogramm von spezialisierten Fachärzten in einem der Implantationszentren getroffen.