Dystonie

Dystonien sind Bewegungsstörungen, die auf Funktionsstörungen im Bereich der Basalganglien im Gehirn zurückzuführen sind. Der Grund für diese Funktionsstörungen ist bis heute nicht genau bekannt. In Deutschland sind schätzungsweise ca. 160.000 Menschen daran erkrankt. Die Betroffenen leiden unter unwillkürlichen, krampfhaften Bewegungen, abnormen Haltungen oder Fehlstellungen von Körperteilen, wobei es sehr unterschiedliche Formen und Ausprägungen gibt. Es kann der ganze Körper (generalisierte Dystonie) oder nur einzelne Muskelgruppen (fokale Dystonie) betroffen sein. Nicht nur die motorischen Funktionseinbußen stellen ein Problem dar, sondern auch die psychische Belastung ist außerordentlich groß für den Erkrankten. Die Dystonie ist keine psychische, sondern eine organische Erkrankung, die bisher nicht heilbar ist. Oft spricht eine Botulinumtoxintherapie gut an oder Medikationen, die aus der Parkinson-Therapie bekannt sind.

In besonders schweren Fällen oder bei bestimmten Formen der Dystonie, bei denen die medikamentöse Therapie nicht ausreichend ist, ist die Tiefe Hirnstimulation eine vielversprechende Behandlungsmöglichkeit. 90 % der behandelten Patienten berichten nach der OP von einer deutlichen Verbesserung. Durch die elektrischen Reize wird die Überaktivität der Nervenzellen blockiert, so dass die Muskelverspannung verringert wird. Dadurch wird die Beweglichkeit der Betroffenen deutlich verbessert, außerdem kann die einzunehmende Medikamentenmenge meist reduziert werden oder -in Einzelfällen- sogar ganz entfallen.

Die besten Erfahrungen mit der Tiefen Hirnstimulation wurden bisher bei der generalisierten Dystonie gemacht. Bei fokaler Dystonie sowie schweren Fällen von Torticollis oder Meige-Syndrom hatten sich auch sehr gute Erfolge gezeigt, weniger geeignet ist diese Therapieform jedoch bei sekundären Dystonien.

Grundsätzlich wird auch hier die Entscheidung, ob ein Dystonie-Patient tatsächlich für die Tiefe Hirnstimulation in Frage kommt, in einem sorgfältigen Untersuchungsprogramm von spezialisierten Fachärzten in einem der Implantationszentren getroffen.